Gemeinde im Kontext

Ein wichtiger Aspekt bei der Gründung und Entwicklung von Gemeinden sind die externen Rahmenbedingungen. Gemeinden sind keine isolierten "Inseln" sondern inter-agieren und existieren in Abhängigkeit von ihrer Umwelt. Sollen Gemeinden hinsichtlich ihrer Arbeitsmethoden und Wachstumspotenziale untersucht werden, ist es unerlässlich diese im Kontext zur Umwelt zu betrachten. Der nach-folgende Abschnitt erläutert um welche konkreten Umwelt-aspekte es geht und möchte ein Bewusstsein hierfür schaffen.

Umweltanalyse "DISPO"©

Die Betriebswirtschaftslehre hat, während der Industrialisierung des letzten Jahrhunderts, die Umweltbedingungen als wichtige Einflussfaktoren erkannt. Im Laufe der Zeit sind verschiedene Umweltanalysen wie "Porter´s Five Forces" oder "PESTEL" entstanden. Erstere ist für Gemeinden ungeeignet, da sie sich mit Konkurrenzverhalten und Marktmechanismen beschäftigt, die zweite möchten wir näher vorstellen und für den Gemeindegebrauch modifizieren. "PESTEL" steht für Political, Economical, Social-cultural, Technological, Enviromental und Legal und definiert sechs Umweltaspekte auf die Unternehmen im Rahmen ihrer Strategieentwicklung achten sollten. Für den Gemeindekontext haben wir die "PESTEL"-Analyse angepasst und daraus die "DISPO"-Analyse abgeleitet:

D

Demografie

Bevölkerungstruktur: Altersverteilung, Geschlechter, Migration, Fertilität etc.

I

Infrastruktur & Urbanität

Standort (ländlich oder städtisch), Infrastruktur, ÖPNV, Nachbarn, Emissionen

S

P

O

Sozio-kulturelles Umfeld

Soziale Schicht, Bildung, Sprache, Werte, Einstellungen, Rollenverständnis

Politik & Gesetzgebung

Religions- und Versammlungsfreiheit, Rechtsform, Kirchen- und Vereinsrecht

Oekonomisches Umfeld

Bevölkerungsdichte, Pro-Kopf-Einkommen, Arbeitslosenquote, Wirtschaftstrend

Erläuterungen:

Die Demografie befasst sich mit der Bevölkerungsstruktur bzw. Bevölkerungszusammensetzung. Hierzu zählen die Altersverteilung, Familien, Singles oder Geburten-, Migrations- und Sterberaten. Je nach Bundesland, Ort oder Stadtteil können sich deutliche Unterschiede ergeben. Entsprechend variieren die Bedürfnisse der Bevölkerung und Zielgruppen.

Die Infrastruktur und Urbanität sind Merkmale der geografische Lage und verkehrstechnischen Anbindung einer Gemeinde. Besonders relevant sind die Bevölkerungsdichte und örtliche Erreichbarkeit. Es ist ein Unterschied, ob es sich um eine ländlich gelegene Dorfkirche oder eine Gemeinde im dichtbesiedelten Großstadtgebiet handelt.

Das sozio-kulturelle Umfeld umfasst die Lebensumstände und Lebensart der Anwohner. Welcher sozialen Schicht ge-hören sie an? Wie ist das Bildungsniveau? Aus welchem Kulturkreis oder Land stammen sie? Welche Werte und Gewohn-heiten vertreten sie? Gemeinde die gesellschaftlich relevant sein möchte, muss die Menschen um sich herum verstehen.

Das politische Umfeld spielt in Deutschland aufgrund der Religions- und Versammlungsfreiheit zumeist eine untergeordnete Rolle. Relevant ist jedoch die Gesetzgebung, die aus der Politik hervorgeht. Für Gemeinden sind aktuell insbesondere die Sekten- und Kirchendefinitionen sowie das Gemeinnützigkeits- und Vereinsrecht von Bedeutung.

Das ökonomische Umfeld beschreibt in diesem Fall den vorhandenen Wohlstand. In angespannten Arbeitsmärkten mit hohen Arbeitslosenquoten herrschen andere wirtschaftliche Verhältnisse als in Gebieten mit Vollbeschäftigung. Je nach Situation ergeben sich für die Gemeinden unterschiedliche Strategien und Handlungsoptionen.