Ressourcen richtig einsetzen

Das wesentliche Merkmal aller irdischen Ressourcen ist ihre Knappheit. Jede Gemeinde verfügt über begrenzte Mittel (z. B. Finanzen, Personal, Zeit, Kraft etc.), die es möglichst effizient einzusetzen gilt. Werden Ressourcen falsch eingesetzt, also verschwendet, kommt es zu Wohlfahrtsverlusten. Wie tief diese einfache Logik geht und wie Sie die Ressourcen (materiell und immateriell) ihrer Gemeinde sinnvoll einsetzen können, erfahren Sie im nachfolgenden Abschnitt. 

Warum gabenorientiertes Arbeiten so wichtig ist  (1. Korinther 12, 1-31)

An dieser Stelle wollen wir zunächst nicht über geistliche Aspekte der gabenorientierten Gemeindearbeit nachsinnen, sondern eine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung aufstellen. Ein solches Vorgehen erscheint manchen Theologen vielleicht etwas befremdlich, da die angewendeten Logiken der Volkswirtschaftslehre entstammen und nicht den gewohnten Denkmustern entsprechen. In ihrer Urform sind sie jedoch bereits im 1. Buch Mose zu finden und gelten für jegliche Art sozialer Interaktion und Arbeitsteilung. Um diese zu veranschaulichen, bedienen wir uns eines vereinfachten Fallbeispiels und stellen uns eine Gemeinde mit lediglich vier Mitgliedern vor. Die Prinzipien sind grundsätzlich auf jede Gruppengröße anwendbar, sei es eine Ehe, Familie, Gemeinde oder eine ganze Gesellschaft:

  1.  Schwester Erna ist eine begabte Köchin, sie bereitet für die Gemeinde nach dem Gottesdienst einen Eintopf zu.

  2.  Bruder Markus ist ein  talentierter Musiker. Er begleitet den Gottesdienst mit seiner Gitarre.

  3.  Pastor Peter ist ein begnadeter Redner. Er vermittelt das Wort Gottes so spannend, dass jeder an seinen Lippen hängt

  4.  Bruder Fritz ist etwas älter. Er ist liebevoll und Weise und hat für jede Lebenslage einen guten Rat.

Szenario I:

 

Alle Mitglieder werden im Rahmen ihrer persönlichen Gaben und Talente eingesetzt: Der Lobpreis war voller Kraft, die Predigt traf mitten ins Herz und nach dem leckeren Mittagessen gab es wunderbare Gespräche mit dem weisen Fritz, der in einigen schwierigen Situationen zu helfen wusste. Am frühen Nachmittag gingen alle satt, zufrieden und fröhlich nach Hause.

 

Szenario II:

Die Rollen werden getauscht. Jeder übernimmt eine Aufgabe die nicht seinen persönlichen Gaben und Talente entspricht. Die Musik war bescheiden, denn Erna ist gänzlich unmusikalisch. Die Predigt von Fritz bekamen nur zwei bis zum Ende mit, da die beiden anderen aus Langeweile einschliefen. Das Mittagessen von Peter war so salzig, dass keiner es wirklich essen mochte. Als die Mitglieder ihren Unmut bei Markus abluden, zuckte dieser nur überfordert mit den Achseln und sagte: "So ist das Leben!" Am frühen Nachmittag gingen alle hungrig, missmutig und erschöpft nach Hause, dabei hatten sie sich solche Mühe gegeben!

Die beiden plakativen Szenarien lassen sich hinsichtlich ihres Nutzens (Outcome) für jeden Einzelnen aber auch die ganze Gruppe auswerten. Hinzu kommt die Kostenrechnung, die abbildet wie viele Ressourcen (Input) für die Ergebnisse erforderlich waren. Es werden Prozentwerte zwischen 0-100% vergeben, die ausdrücken wie viel Nutzen bzw. Aufwand für den Einzelnen aber auch für die gesamte Gruppe entstanden ist:

Auswertung

Da in Szenario I alle Mitglieder die Aufgaben erfüllten, für die sie am Besten geeignet waren, erreichte die Gruppe die größte mögliche Wohlfahrt. Gleichzeitig entstanden die geringsten Kosten (Aufwand), denn Erna kochte routiniert, Markus brauchte die Lieder nicht zu üben, Peters Rhetorik ist Teil seiner Persönlichkeit und der weise Fritz verfügt aufgrund seines Alters über die gefragte Erfahrung. Neben dem Nutzen, der duch die Dienste für die anderen entsteht, hat auch das dienende Individuum einen Nutzen: Wer innerhalb seiner Gaben arbeitet, ist zumeist erfolgreich, bleibt motiviert und erhält von den anderen Anerkennung. Das eigene Leben hat einen "Sinn" und das Individuum erkennt seinen Wert vor Gott und in der Gemeinde.

In Szenario II war der Nutzen des Tages für alle sehr gering, dafür waren die Anstrengungen und Mühen (Kosten) umso größer: Erna hatte den ganzen Samstag Gitarre geübt, mit mäßigem Erfolg. Peter hatte sich aus dem Internet verschiedene Rezepte herausgesucht, versalzte jedoch die Suppe. Fritz war hoch motiviert und hatte den gesamten Samstag Abend an seiner Predigt geschrieben. Zufrieden trug er diese vor und bemerkte nicht die Langeweile seiner Zuhörer. Markus hatte keine Vorbereitungen, doch leider konnte er den Unmut seiner Geschwisster nicht richtig auffangen und ging anschließend betrübt nach Hause.

Wie groß oder wie klein der Nutzen oder die Kosten für den einzelnen oder die Gruppe tatsächlich waren, kann unterschiedlich bewertet werden. Im Fallbeispiel ergibt sich für Szenario I eine Gesamtwohlfahrt von (1.400 - 90) = 1.310 Punkten, ein fast perfektes Ergebnis! Szenario II hat mit (230 - 280) = -50 Punkten mehr Kosten als Nutzen produziert. Die Gemeinschaft hat folglich Schaden genommen. Es lassen sich folgende Grundlogiken ableiten:

1. Der größtmögliche Nutzen entsteht, wenn alle sich entsprechend ihrer Gaben einbringen.
Umkehrschluss: Fehlt jemand, verweigert jemand die Mitarbeit oder übernimmt jemand eine "falsche" Aufgabe, für die jemand anderes besser geeignet wäre, kommt es zum Wohlfahrtsverlust für die gesamte Gruppe. (Vgl. 1. Kor. 12, 17)

2. Die geringsten Kosten entstehen, wenn alle sich entsprechend ihrer Gaben einbringen.

Umkehrschluss: Je weniger jemand für eine Aufgabe geeignet ist, umso mehr Aufwand muss betreiben werden, um die Funktion zu erfüllen. Die so verschwendeten Ressourcen fehlen an anderer Stelle und führen ebenfalls zum Wohlfahrtsverlust.

Fazit

1. Jede Gemeinde sollte versuchen möglichst alle Mitglieder in einen Dienst zu integrieren.

Dies heisst jedoch nicht, dass dieser unbedingt in der eigenen Gemeinde geleistet werden muss. Jeder ist fähig und sogar biblisch aufgefordert einen positiven Beitrag zum Leib Christi zu leisten. (Vgl. 1. Kor 12, 7; 1. Petrus 4, 10)

2. Jedes Gemeindemitglied sollte sich entsprechend seiner/ ihrer Fähigkeiten und Ressourcen einbringen.

Wer geistbewegt predigen kann, der predige. Wer stark ist, der helfe beim Umzug. (Vgl. 1. Kor. 12, 18)

Was bringt die Studie im Hinblick auf die Ressourceneinteilung?

Unsere Studie macht keine Auswertungen zu den einzelnen Gabenprofilen der Gemeindemitglieder, doch sie wird die einzelnen Arbeitsbereiche im Verhältnis zu anderen Gemeinden und den eingesetzten Ressourcen auswerten. Sie kann daher den Gemeindeleitungen wertvolle Hinweise geben, welche Teilbereiche mit einer hohen Wohlfahrt einhergehen und welche Teilbereiche unterdurchschnittlich entwickelt sind.

 

Die größte Herausforderung der Gemeinden besteht Hinsichtlich der Ressourcenallokation. Dies bedeutet vorhandenen Ressourcen zu identifizieren und anschließend jenen Aufgaben zuzuordnen, bei denen sie den größten Nutzen generieren können. In unserem Fallbeispiel sind diese Zuordnungen klar, doch im Gemeindealltag ist es oft schwierig herauszufinden welche Personen für welche Aufgaben am Besten geeignet sind oder in welche Projekte die Budgets investiert werden sollten.

 

Es ist die Aufgabe der Gemeindeleitungen die Potenziale und Bereitschaft ihrer Mitglieder richtig einzuschätzen und zu fördern. Wir können mit unserer Studie dazu beitragen in die "richtigen" Projekte und Arbeitsbereiche zu investieren und die identifizierten Ressourcen bestmöglich einzusetzen.